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Tag 5

Shabbat

Der Freitag begann für die deutschen und israelischen Schülerinnen und Schüler in Krakau mit einem gemeinsamen Frühstück, das wie ein Auftakt für einen Tag voller Begegnungen und Eindrücke wirkte. Die Küche im Hostel war erfüllt von einer lebendigen Mischung aus Sprachen, Gesten, Lachen und neugierigen Gesprächen. Man merkte, wie sehr die Jugendlichen trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft bereits zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen waren. Viele nutzten die Zeit, um die Erlebnisse der vergangenen Tage in dieser geschichtsträchtigen Stadt Revue passieren zu lassen, während andere gespannt dem weiteren Tagesablauf entgegenblickten.

Um 12:30 Uhr stand der Workshop auf dem Programm, der aufgrund von Flugverspätungen am Montag nicht hatte stattfinden können. Obwohl diese Verzögerung zu Beginn der Woche für etwas Unruhe gesorgt hatte, war an diesem Tag nichts mehr davon zu spüren. Die Jugendlichen, gemischt in deutsch-israelischen Gruppen, arbeiteten konzentriert und engagiert zusammen. Sie diskutierten über historische Verantwortung, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Kulturen und über die Bedeutung von Erinnerungsarbeit in der heutigen Zeit. Besonders eindrucksvoll war dabei, wie selbstverständlich sich die Jugendlichen gegenseitig unterstützten und wie offen sie auch persönliche Gedanken und Erfahrungen miteinander teilten. Dieser Workshop wurde zu einem Beispiel für echte interkulturelle Zusammenarbeit und israelische Jugendliche ihre Geschichte mit deutschen Schülern teilen.

Der Nachmittag brachte eine entspannte Phase der Freizeit. Einige gingen zunächst ins Hostel zurück, um Koffer zu packen und Ordnung zu schaffen. Andere zogen in kleinen Gruppen in die Mall oder in die historische Innenstadt von Krakau. Zwischen modernen Geschäften, malerischen Gassen und dem besonderen Flair dieser Stadt verbrachten sie entspannte Stunden, kauften Andenken, probierten kleine Snacks und ließen sich treiben. Viele entschieden sich bewusst für ein leichtes Mittagessen im Wissen darum, dass am Abend ein großes und festliches Shabbat-Buffet auf sie wartete.

Währenddessen liefen im Galicia Jewish Museum die Vorbereitungen für die Shabbatfeier. Das Museum, das sich am Abend in einen warm erleuchteten Festsaal verwandelte, bildete den Rahmen für ein Erlebnis, das für viele der deutschen Schüler neu war: die feierliche Begrüßung des Shabbat. Bereits beim Betreten spürte man die besondere Atmosphäre Tische waren elegant eingedeckt, und die israelischen Schülerinnen und Schüler hatten sich sorgfältig vorbereitet, um ihre Traditionen zu erklären und zu teilen.

Beide Gruppen trafen festlich gekleidet ein. Die Jugendlichen hatten sich schick gemacht; überall sah man gespannte Vorfreude und respektvolle Aufmerksamkeit. Die Shabbatfeier selbst entwickelte sich zu einem besonders bewegenden Moment. Die israelischen Mädchen entzündeten die Kerzen, erklärten deren Bedeutung und schufen eine ruhige Stimmung. Die Jungen führten die Gebete vor, erklärten die hebräischen Texte und bezogen die deutschen Jugendlichen behutsam mit ein. Es war ein Moment echter Nähe, in dem kulturelle Grenzen verschwammen und ein gemeinsames Erleben im Mittelpunkt stand.

Das anschließende Buffet übertraf die Erwartungen vieler. Neben traditionellen Shabbat-Gerichten fanden sich auch polnische Spezialitäten, und die Mischung aus neuen Geschmäckern, Gesprächen und herzlicher Atmosphäre machte das Essen zu einem besonderen Erlebnis. Nach dem Essen stellten die israelischen Schülerinnen und Schüler ihren „News-Austausch“ vor ein Ritual, bei dem sie nach Mahlzeiten aktuelle politische, wirtschaftliche und globale Ereignisse teilen. Dieser bewusste Umgang mit Weltgeschehen beeindruckte viele deutsche Jugendliche und führte zu lebhaften Gesprächen über Medien, Verantwortung und internationale Entwicklungen.

Nach dem Essen richteten die Lehrkräfte sowie Mitglieder des israelischen Staffs emotionale Dankesworte an die Gruppe. Ihre Ansprachen waren geprägt von Wertschätzung, Freude und bewegender Ernsthaftigkeit. Viele ließen durchblicken, wie sehr ihnen diese Begegnungsreise am Herzen lag und wie eindrucksvoll die Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen verlaufen war.

Im Anschluss folgte ein Moment, der den Abend weiter auflockerte und gleichzeitig zu einem emotionalen Höhepunkt wurde: Florian setzte sich ans Klavier und spielte mehrere Stücke, während Jonas mit seiner warmen Stimme, gewünschte Lieder der Schülerinnen und Schüler sang. Sofort entstand eine Atmosphäre, die man kaum beschreiben kann, ein Gefühl von Gemeinschaft, Freude und Verbundenheit. Die Musik füllte den Saal, viele der Jugendlichen stimmten ein oder klatschten im Takt, einige tanzten zwischen den Tischen und hatten alle einfach Spaß. Wir genossen den Moment. Diese spontane musikalische Einheit zeigte eindrucksvoll, wie sehr Kunst und Kultur Menschen miteinander verbinden können.

Doch der Abend endete nicht hier. Fast die gesamte Gruppe machte sich begleitet von dem deutschen und dem israelischen Staff auf den Weg in eine Karaoke-Bar, um den Tag fröhlich ausklingen zu lassen. Dort verschmolzen deutsche und israelische Stimmen zu einem bunten Klangteppich aus internationalen Liedern. Es wurde gelacht, gesungen, gejubelt und getanzt, und in diesen ausgelassenen Momenten wurde noch einmal deutlich, wie viel diese Begegnung den Jugendlichen gab: Mut, Freude, Verständnis, neue Freundschaften und unvergessliche Erinnerungen.

So ging ein Tag zu Ende, der reich an Begegnungen und Emotionen war ein Tag, der zeigte, wie wertvoll kultureller Austausch für junge Menschen ist und wie sehr solche Erfahrungen tragen können. Der 13. Februar 2026 wird allen Beteiligten als einer der prägendsten und schönsten Tage des Projekts im Gedächtnis bleiben.

Laura M.